Richard Kuhajda

Bildender Künstler



 V  i  t  a 

G R A D M A L 

g’rad’ neunt’ klass’, g’rad’ mal lehr’, g`rad` mal dies un’ das

gradmal Schemen, doch hart ’n’ weich schält’s h`raus, zeigt’s sinn - Ich Bin!
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 M A C H   W A S   D R A U ß  ! 

Die Grundlage aller Bilder ist in der Regel eine (inkorrekte!) Fotografie. Diese wird so sehr verfremdet, dass sie in der Regel nicht mehr oder kaum noch als solche erkennbar ist. Die Bilder könnten eher ein Gemälde oder eine Zeichnung sein. Deshalb nenne ich mich nicht „Fotokünstler“, sondern „bildender Künstler“. Es geht um`s Bild, nicht um das, was ihm technisch Ausgangslage war. Sie sollen niemals ein Reales hübsch darstellen, hübsch dient es aber zur Verfremdung bishin zum Surrealen und zur Abstraktion.
Einen Fotografen verstehe ich auch gar nicht, wie er die Kunst der korrekten Fotografie beherrscht; dafür versteht er mich auch gar nicht, wie ich die Kunst der inkorrekten Fotografie beherrsche - ätsch!

Wenn Lehre und Schule mir auch einen entsetzlich großen Gräuel wie in einem Verließ verödend angekettet darstellte und auch noch der Kunstunterricht zu allem Übel ständig ausfiel, so gab es doch einmal bei einer der seltenen Gelegenheiten einen wegweichenden, als ein Kunstlehrer mit einer Weisheit eingriff, die den ersten, ganz zarten Schritt (nicht nur) zu meiner Kunst geführt hat: Er kritzelte auf dem Malpapier eines jeden Schülers ein Willkürliches, mit dem wir verdutzten Schüler auch nicht einmal irgendetwas anfangen konnten. Der Lehrer aber forderte uns auf: „Mach’ was d’raus!“ So mache ich aus dem ungradschief Inkorrekten eine Kunst, die zur Verdutzung aller nur Ich kann.

Mich interessiert nur, dass die Bilder ganz allein auf die Tiefen des Seelischen einwirken, deshalb kommen von mir bei abstrakten Bildern keine Angaben, was dies und das einmal real gewesen war, denn solche Informationen lassen neue Vorstellungen in das Bild einfließen und ein anderes Erstaunen (Waaas, DAS war mal Ihre alte, mit Schimmel überzogene Zahnbürste??!) wecken als es soll. Andererseits fällt`s auch schwer, ihnen passende Titel zu geben, die neutral bleiben - habe hier Nachhilfe nötig.

Bedingt durch ein Trauma der Entwurzelung als Kleinkind stellen sie oft Wege, Waldwege, Hinweisschilder, wegweisende Schilder, Straßen oder Brücken dar, die zwar ins Ferne, Fremde, Fragende, Heimatlose, Desorientierte, ins Black-Out gehen, aber dem zum Trotze auch ins „Über“ münden als ein Überschießendes, Überlebendes, Überpersönliches, Überspannendes, Überbrückendes, ins Überreale des Sich-Auflösenden oder ins Transzendierende des Unendlichkeitspunktes ...
Der Bilder Exzentrik ist spannungsreich, sie dürfen meinem künstlerischen Blick des „Über“ nicht langweilen. Manchmal sind sie butterweich, neblig schemen- bis geisterhaft; aber meist im Gegenteil davon, in dieser kontrastreichen Härte der Spannung von schwarz/weiß bis farbig suchen sie immer die Harmonie in der entstehenden Spannung gespaltener, gegensätzlicher Kräfte und so den Transfer vom gegenständlich Realen ins hintergründig Reale.

Das derzeit eingestellte Bild "Zoobrücke" ist in Köln tatsächlich auf ihr entstanden. Es zeigt repräsentativ, dass es also nicht darum geht, die realen Objekte naturgetreu zu porträtieren, sondern aus ihnen im Sinne des Über was zu machen.
Der persönliche Hintergrund ist, dort in der Nähe mit ihr und dem Zoo aufgewachsen zu sein. Sie war mir mit ihrer Größe ein prachtvolles Bauwerk des Verbindenden und wurde zu einem bedeutsamen Sinnbild für die Frage nach Heimkehr, die sich im Laufe des Älterwerdens von der nach der irdischen allmählich ablöste.
Nur der Kenner der Brücke kann sie im Hintergrund des Bildes noch an der typischen Bauform der Seilbahn mit ihren Gondeln aus den 50ern identifizieren. Im Bild herrscht die Spannung des Schwarz/Weiß und alle vier Aspekte, bestehend aus Geländer, Laternen, Straße mit Autos soweit erkennbar, und Seilbahn münden in einen Unendlichkeitspunkt in der Ferne, der auch noch verdeckt durch Bäume sich hinter der Biegung verbirgt, geheim bleibt und der sich vorgestellt werden muss. Um das zu erreichen, muss weitergedacht werden, als das Bild es zeigt, und es fordert auf, „um die Ecke“ zu denken.
Eine Brücke hat ein Überspannendes und Verbindendes sowie der Pendelverkehr auf ihr. Nicht zu vergessen ist hier die Besonderheit der „Rheinseilbahn“, wie sie richtig heißt. Während der Straßenverkehr auf dem Brückenboden noch unter dem Stress irdischer Pflichten pendelt, macht’s die Seilbahn von ihnen gelöst in himmlischer Höhe. Das überstrahlende reine Weiß des den Blick hauptsächlich führenden Geländers spiegelt sich in dem des Himmels wieder. Die schwarzen Laternen weisen mit ihrer gestreckten Senkrechte ebenso gen Himmel.

Anfang der 90er gab ich als Student drei Ausstellungen, zwei in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Freudenberg und eine an der Universitätsbibliothek Siegen ganz oben in göttlicher Höhe des AR-Gebäudes, dessen Türme damals noch in Hellblau wie Boten gen Himmel ragten, während die Gebäude unten vor lauter feurigem Eifer des Studierens in Rot erglühten, wie sie heute auch noch sind. Meine Ausstellung dort nannte ich „Fotokunst der Transzendenz“. Eine Pädagogik- und Kunststudentin war von der Tiefe der Bilder so fasziniert, wie ich von dem, was sie mir abends aus der „Theosophie“ Rudolf Steiners vorlas …

Damals arbeitete ich noch ganz klassisch im chemischen Fotolabor, heute aber am PC und tauche auch dort tief in meine imaginative Bilderwelt ein, vergesse Raum und Zeit und münde gedanklich vertieft in den Unendlichkeitspunkt ein. Erst wenn Hunger, Durst, Erschöpfung oder das Telefon sich melden, werde ich von ihnen zu meinem Ärgernis aus meiner „Magical Mystery Tour“ wieder zurückgeholt und ich an meine weltlichen Pflichten erinnert.

Die Bilder drucke ich nicht aus, dafür habe ich vorerst keinen Grund und auch keine Technik. An Kontakten bin ich interessiert sowie an einer Ausstellung, aber allein kann ich’s nicht.

Frührentner, bescheidener Kompositeur und als autodidaktischer Konzertgitarrist im Ehrenamt tätig. 1962 geboren, ab 1980 ledig, nicht erledigt, der anderen Kinder. Mutter kölsch Mädcher, Vater ungarisch Paprika, in England geheiratet. Dort geboren, aber aufgewachsen in Köln (kölsche Jung), seit 1987 im Siegerland und ein wenig wohl auch schon ein Sejerlänner Jong - darf ich doch sagen, oder? Jung un’ Jong! Kölsch un’ Krombacher - Prost!

 „Hello - Goodbye“ (Lennon / McCartney)


© Kultur!Büro. Kreis Siegen-Wittgenstein - Kulturhandbuch im Internet • KHB 3324.HTM / 05.08.2020 |