Richard Kuhajda

Fotokünstler / bildender Künstler



Vom realen Foto zum künstlerischen Bild

Die Grundlage aller Bilder ist in der Regel eine entgegen des Fotografenhandwerks künstlerisch inkorrekt belichtete Fotografie, worauf der Fotograf sich nicht versteht, dafür aber ich - ätsch! Diese wird so sehr verfremdet, dass sie in der Regel nicht mehr oder kaum noch als solche erkenn- oder erahnbar ist. Deshalb sind sie keine Fotos mehr, sondern Bilder, die eher ein Gemälde oder eine Zeichnung sein könnten. Es geht ums fertige Bild, nicht um das, was ihm technisch Ausgangslage war. Sie sollen kein Reales darstellen, aber Reales dient zur Verfremdung zum Grotesken, Surrealen, Transzendenten und zur Abstraktion bishin zum Malerischen. So pendele ich vom Foto zum Bild wie vom „Fotokünstler“ zum „bildenden Künstler“.
Ich bevorzuge starke Kontraste in Schwarz-Weiß, in Farbe oder eine Kombination mit beiden, selten sind’s nur weiche Übergänge und manchmal ist alles in einem - däh!

Anfang der 90er gab ich als fachfremder Student drei Ausstellungen, zwei in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Freudenberg (die es nicht mehr gibt) und eine an der Universitätsbibliothek Siegen ganz oben im Adolf-Reichwein-Gebäude. Meine Ausstellung dort nannte ich „Fotokunst der Transzendenz“. Eine Pädagogik- und Kunststudentin war von der Transzendenz der Bilder so fasziniert, wie ich die von dem, was sie mir abends aus der „Theosophie“ vorlas …

Damals arbeitete ich noch ganz klassisch im chemischen Fotolabor, heute aber am PC und tauche auch dort tief in eine imaginative Bilderwelt ein, vergesse Raum und Zeit und münde gedanklich vertieft in den Unendlichkeitspunkt ein. Erst wenn Hunger, Durst, Erschöpfung oder das Telefon sich melden, werde ich von ihnen zu meinem Ärgernis aus meiner „Magical Mystery Tour“ wieder zurückgeholt und ich an meine weltlichen Pflichten erinnert.

Das eingestellte Bild „Menschen an der Sieghütte“ entstand Anfang November im Jahr 2020 als ein aus der Hüfte geschossenes Foto an der Siegener Hagenerstraße am Kaufland, aber es zeigt nur eine Hälfte des ganzen, aus seiner linken Seite ist ein anderes Bild entstanden. Seine rechte Seite zeigt uns Menschen - teils mit Mund-Nasen-Schutz - an der recht lauten Hagenerstraße, die aber selber in einer ruhigen Position sind. Die einen sind Wartende an der Bushaltestelle Sieghütte, die Dame mit grünem Oberteil geht gedankenverloren vorbei, trägt eine Einkaufstasche und hat um ihre Schultern einen breiten Schal mit einem schönen schwarz-weißen Muster. Der Herr vorne rechts an der Wand scheint auch zu warten, aber ob auf den Bus oder vielleicht auf seine Frau, die gerade beim Einkauf sein mag, ist nicht erkennbar. Ein menschlicher Schatten hinten im Bild musste aus einer Gruppe von Schatten herausgelöst werden, damit er besser in die Komposition passt.
Wie der Schatten einzeln bearbeitet werden musste, so auch jede einzelne Person sowie die Gegenstände im Bild wie das Fahrrad, der Blumenkübel ganz weit hinten im Hintergrund, das Parkschild und auch das Bushaltestellenschild, dessen Anordnung etwas verschoben werden musste, damit es zur Information für den Bildbetrachter ins Bild hineinragen kann, sodass er weiß, dass die stehenden Menschen auf den Bus Wartende sind.
Dieses Bild hat zwar sehr viel Mühe gekostet, aber es war es wert, die Arbeit an ihm hat viel Freude bereitet.

Die Bilder drucke ich nicht aus, dafür habe ich vorerst keinen Grund und auch keine Technik. An Kontakten bin ich interessiert sowie an einer Ausstellung, aber allein kann ich’s nicht.

Frührentner, bescheidener Kompositeur und als autodidaktischer Konzertgitarrist im Ehrenamt tätig. 1962 geboren, ab 1980 ledig, nicht erledigt. Aufgewachsen in Köln (kölsche Jung), seit 1987 im Siegerland und ein wenig wohl auch schon ein Sejerlänner Jong - darf ich doch sagen, oder? Jung un’ Jong! Kölsch un’ Krombacher - Prost!

„Hello - Goodbye“ (Lennon / Mccartney)


© Kultur!Büro. Kreis Siegen-Wittgenstein - Kulturhandbuch im Internet • KHB 3324.HTM / 06.01.2021 |