Ricardo da Vinci

Fotokünstler / bildender Künstler



Vom realen Foto zum künstlerischen Bild

Die Grundlage aller Bilder ist in der Regel eine entgegen des Fotografenhandwerks künstlerisch inkorrekt belichtete Fotografie, worauf der Fotograf sich nicht versteht, dafür aber ich - ätsch! Diese wird so sehr verfremdet, dass sie in der Regel nicht mehr oder kaum noch als solche erkenn- oder erahnbar ist. Deshalb sind sie keine Fotos mehr, sondern Bilder, die eher ein Gemälde oder eine Zeichnung sein könnten. Es geht ums fertige Bild, nicht um das, was ihm technisch Ausgangslage war. Sie sollen kein Reales darstellen, aber Reales dient zur Verfremdung zum Grotesken, Surrealen, Transzendenten und zur Abstraktion bishin zum Malerischen. So pendele ich vom Foto zum Bild wie vom „Fotokünstler“ zum „bildenden Künstler“.
Ich bevorzuge starke Kontraste in Schwarz-Weiß, in Farbe oder eine Kombination mit beiden, selten sind’s nur weiche Übergänge und manchmal ist alles in einem - däh!

Anfang der 90er gab ich als fachfremder Student drei Ausstellungen, zwei in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Freudenberg (die es nicht mehr gibt) und eine an der Universitätsbibliothek Siegen ganz oben im Adolf-Reichwein-Gebäude. Meine Ausstellung dort nannte ich „Fotokunst der Transzendenz“. Eine Pädagogik- und Kunststudentin war von der Transzendenz der Bilder so fasziniert, wie ich die von der, was sie mir abends aus der „Theosophie“ vorlas …

Damals arbeitete ich noch ganz klassisch im chemischen Fotolabor, heute aber am PC und tauche auch dort tief in eine imaginative Bilderwelt ein, vergesse Raum und Zeit und münde gedanklich vertieft in den Unendlichkeitspunkt ein. Erst wenn Hunger, Durst, Erschöpfung oder das Telefon sich melden, werde ich von ihnen zu meinem Ärgernis aus meiner „Magical Mystery Tour“ wieder zurückgeholt und ich an meine weltlichen Pflichten erinnert.


Junge

Das Foto entstand am 26.05.2005 am Zentralen Omnibusbahnhof in Siegen unter seinem Fischgrätendach.

Grundlage für das Bild ist ein aus der Hüfte geschossenes Foto, als ich nämlich plötzlich die Flucht zwischen den Personen sah und flüchtig fotografierte. Das Ende der Flucht sah ich nicht und damit nicht den Jungen, den ich erst am PC bei näherer Betrachtung des Fotos sah. Ich erkannte, dass das Foto die reizvolle Möglichkeit gab, den Jungen als Zentrum herausarbeiten zu können, wozu die anderen Personen mit ihren Standpunkten als Nebendarsteller verhelfen konnten. Hinter dem Jungen sind zwei senkrechte Trägerpfosten und ein paar schattige Gestalten, die ihm als das zentrale Bildobjekt einen noch festeren Haltepunkt im Bild verschaffen konnten.

Gestalterisch musste vieles entfernt werden, um den Jungen als zentrales Bildobjekt herausarbeiten und es deutlich erkennen lassen zu können. Die übrigen Elemente bedurften einer einzelnen Bearbeitung, um sie genügend erkennbar machen zu können, wie etwa der Zopf des seitlich stehenden Mädchens oder die Plastiktüte des Herrn.

Die Kamera schaut aus der Höhe der Hüfte eines Erwachsenen an den größeren Personen vorbei, zuerst der Mann ohne Oberteil, der einen Einkaufsbeutel trägt, dann die Teenager-Mädchengruppe, die für sich zusammensteht, und nun trifft der Blick der Kamera an den Kopf des Jungen, beide auf derselben Höhe, er scheint dazu auch noch in die Kamera zu schauen. So entsteht eine Beziehung zwischen Junge und Betrachter.

Der Junge ist für sich allein, es sind keine Aufsichtspersonen erkennbar. Er nimmt im geschäftigen Treiben des Busbahnhofs eine bedächtige Haltung ein, hat die Arme nach hinten verschränkt und macht nur einen kleinen Schritt nach vorn. In dieser Haltung blickt man eher nach unten, es sei, plötzlich auf etwas aufmerksam geworden zu sein. – Hat er etwa meine Kamera bemerkt?



Die Bilder drucke ich nicht aus, dafür habe ich vorerst keinen Grund und auch keine Technik. An Kontakten bin ich interessiert sowie an einer Ausstellung, aber allein kann ich’s nicht.

Kompositeur und als autodidaktischer Konzertgitarrist im Ehrenamt tätig. 1962 geboren, ab 1980 ledig, nicht erledigt. Aufgewachsen in Köln (kölsche Jung), seit 1987 im Siegerland und ein wenig wohl auch schon ein Sejerlänner Jong - darf ich doch sagen, oder? Jung un’ Jong! Kölsch un’ Krombacher - Prost!








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