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Übersicht WR
Westfälische
Rundschau
vom 1.5.99
In Siegen stellt Ex-Beatle Paul McCartney
weltweit erstmals seine Gemälde vor
Der Drang
zur Leinwand
Von Bernd Berke
Siegen. Gezeichnet hat Paul McCartney schon in
den guten alten Beatles-Zeiten. Als diese Ära längst
vorbei war und Paul auf die 40 zuging, sagte er sich:
Jetzt mußt du noch mal was Neues anfangen. Also begann
er zu malen. Das tut er nun seit etwa 16 Jahren - vor
allem zu meinem eigenen Vergnügen, wie er gestern in
Siegen verriet. Dort, in der vermeintlichen Provinz,
zeigt er weltweit erstmals seine Bilder.
Davon wird man im Siegerland noch sehr lange reden. Der
Kollege Wolfgang Thomas aus der Siegener
WR-Lokalredaktion, seit rund 30 Jahren im Geschäft, kann
sich nicht erinnern, je auch nur annähernd einen solchen
(Medien)-Rummel um ein örtliches Ereignis erlebt zu
haben.
Entspannung an der Staffelei
Musikalische Fragen waren bei der gestrigen
Pressekonferenz zur Schau Paul McCartney paintings strikt
unerwünscht, doch der Ex-Beatle ließ immerhin wissen,
daß es zwischen sounds and colours, Tönen und Farben
also, manche Entsprechungen gebe. Er bekannte, beim Malen
vom spirit of freedom (Geist der Freiheit) inspiriert zu
werden - und den habe nun mal der einstige Mit-Beatle
John Lennon beispielhaft verkörpert. Allerdings: Wenn
ich male, höre ich nie Musik.
Jedenfalls könne er sich an der Staffelei besser
entspannen als beim Komponieren, denn: Vom Malen muß ich
nicht leben. Auf die Frage, ob die Präsentation seiner
Öl- und Acryl-Gemälde seinen musikalischen Weltruf
mindern könne, meinte Sir Paul: Ich habe immer etwas
riskiert; schon damals mit den Beatles.
Sei's drum. Entspannung hin, Vergnügen her - als Maler
will Paul McCartney allemal ernstgenommen werden. Und
damit kommen wir zur Gretchen-Frage, um die man sich auch
als eingefleischter Beatles- oder McCartney-Fan nicht
herumdrücken sollte: Wie gut sind seine Bilder?
Nun ja. Paul McCartney, der vom Künstler Willem de
Kooning in seinem Maldrang bestärkt wurde, ist eben
nicht von dessen Schrot und Korn. Gelegentliche Abstecher
in Quellformen der Groteske (Shock Head) und ins Surreale
(White Dream) können kaum verhehlen, daß hier keine
ordnende (oder auch kunstvoll zerstörende) Kraft waltet,
sondern ein wohliges Sich-Treibenlassen im Reich der
Farben. Etliche Bilder haben etwas Unentschlossenes,
geradezu Verwaschenes. Farbskala und Machart taugen oft
eher für Plattencover oder Underground-Comics als für
eine Kunsthalle. Die Formen wirken vielfach zerstoben,
aber nicht wirklich explosiv. Kunst auf einem sanften
Trip.
Paul McCartney liebt es, hier und da Farbschlieren nach
Lust und Laune dick aufzutragen, dann wieder kratzt er
Spuren in die Leinwände. Manchmal sieht man auch noch
die Fingerabdrücke. All das deutet auf tätig-frohe
Selbstverwirklichung nach dem Leitsatz: Einfach mal
loslegen und sehen, was daraus wird. Und so ist denn
gewiß nicht alles souverän gewollt an diesen Bildern,
sondern sieht aus wie nebenher unterlaufen: Passiert ist
passiert. Mal so, mal so.
Anregung durch keltische Fundstücke
Bevor Paul seine Bildidee wahrmacht (Kritiker auf den
Kopf stellen und ringsum einrahmen), muß man rasch
sagen, daß unter den 75 Exponaten auch recht achtbare
Werke sind. Die von keltischen Funden angeregten Arbeiten
zählen dazu, aber auch konzentriertere Stücke wie Boxer
Lips und Chinaman.
Überhaupt spürt man Wonne, Inbrunst und Passion, mit
denen Paul McCartney der Leinwand zu Leibe rückt. Auch
wenn ihm nicht alle künstlerischen Mittel zu Gebote
stehen: Über bloße Freizeitmalerei ist er deutlich
hinaus. Und die Siegener dürfen sowieso mächtig stolz
sein auf den Coup, diese Sachen hergeholt zu haben.
Paul McCartney paintings. Siegen, Kunstforum Ly¦z
(St.-Johann-Str. 18). Der Weg dorthin ist bestens
ausgeschildert.
1. Mai bis 25. Juli, Di-So 10-20 Uhr. Eintritt 12 DM,
Katalog 39.50 DM, Plakat 12 DM.
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