vom 24.04.1999


Die McCartneys stellen aus:
Gemälde in Siegen, Fotos in Koblenz


Paul: Besessen von Gesichtern und der Energie der Farbe
Kunst und Musik - eine spannende Wechselbeziehung? Malende Musiker ein Cross-over-Phänomen? Das Kunstforum Lÿz im südwestfälischen Siegen möchte nicht auf einer Zeitgeist-Welle mitschwimmen, sondern vom 1. Mai bis 25. Juli farb- und bildstarke Kunst eines von der Malerei besessenen Engländers präsentieren. Eines Künstlers, der jedoch nicht irgendwer ist: Es handelt sich um Paul McCartney. Der Ex-Beatle selbst soll die Schau am 30. April in geschlossener Gesellschaft eröffnen.

Unter dem Titel "Paul McCartney's paintings" zeigt sie 70 Arbeiten aus einem interessanten Oeuvre von mehr als 500 Öl- und Acrylbildern. Die Kunstschau in Siegen stellt die Arbeiten McCartneys weltweit zum ersten Mal vor, kein einziges Bild wurde bisher jemals öffentlich gezeigt. McCartney, von Jugend an leidenschaftlicher Zeichner, ist schon seit der Beatles-Zeit Kunstsammler. Seit 1983 setzt er sich in seinen Ateliers in Südengland und den USA intensiv mit Malerei auseinander. Sein Werk ist unter anderem inspiriert durch den vom freien Malgestus bestimmten, farb- und emotionsstarken abstrakten Expressionismus, dessen Hauptvertreter, Willem de Kooning, McCartney persönlich kannte. Außerdem ist er von der Popart und vom Surrealismus beeinflußt. Mit bemerkenswerter Offenheit reagiert er auf Landschaften, Licht oder andere visuelle Reize und aktiviert innere Bildvorräte.

Die meisten der Werke zeigen Bezüge zu Paul McCartneys Lebensgeschichte. Seine farbstarke Malerei steht im Spannungsfeld zwischen Gegenständlichkeit und gestischem Ausdruck. Neben nahezu abstrakten Kompositionen sind die "Gesichtsbilder" ein Sonderthema. Das können Porträts, Doppelporträts oder Gruppenbilder sein, aber auch Masken oder Karikaturen. In "Bowie spewing" (1990) etwa, einer kleinen blautonigen Arbeit, führen die Experimente mit lasierendem Farbauftrag und den Ausdruckswerten von Rot- und Blautönen zu einem expressiven Porträt, das McCartney an den frühen David Bowie erinnert. Zufällige Farbverläufe in der wie ein Bild im Bild aufgebauten Arbeit geben "Bowie spewing" eine weitere inhaltliche Dimension und reflektieren zugleich das Medium Malerei.

Bemerkenswert ist auch die realistisch-ironische Trilogie-Hommage an die englische Queen Elizabeth II. Daneben stehen Landschaften, die Farbexpressionen sind, aber auch ironische Kommentare transportieren ("Shark on georgica"). An Traumlandschaften erinnern die "Celtics", eine Reihe von Arbeiten (zum Beispiel "Yellow celt", "Ancient connections"), in denen keltische Motive und Symbole bildbeherrschend sind. McCartney wurde hier von Grabfunden aus dem süddeutschen Raum inspiriert.

Zu sehen ist nicht zuletzt auch eine Licht-Raum-Video-Inszenierung McCartneys mit dem Titel "Feedback". Sie umfaßt sechs Monitore, 12 Bandmaschinen und 50 Schwarzweiß-Fotos seiner verstorbenen Frau Linda McCartney.

Kunstforum Lÿz in Siegen, St.-Johann-Straße 19, Telefon (0271) 333 24 48. 1. Mai bis 25. Juli, täglich außer montags 10-20 Uhr. Eintritt 12 Mark.


© Frankfurter Neue Presse 1999
http://www.rhein-main.net/FNP-Online/Zeitung/

 

PAUL McCARTNEY paintings , Kunstforum Lÿz, Siegen, 1. Mai bis 25. Juli 1999
Konzeption & Organisation der Ausstellung: Kultur!Büro. Kreis Siegen-Wittgenstein
Paintings © Paul McCartney. Photographs of the artist © Estate of Linda McCartney

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