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Westfälische
Rundschau, Kultur
vom 4.3.1999
Ex-Beatle ist gespannt, wie man seine Gemälde bewertet
Paul will's
in Siegen wissen
Von Wolfgang Thomas
Siegen. „Eines steht fest: Wir werden hier kein
Beatles-Spektakel veranstalten.“ Wolfgang Suttner,
Kulturreferent des Kreises Siegen-Wittgenstein und Macher
der Ausstellung „Paul McCartney Paintings“ (1.
Mai bis 25. Juli), betonte gestern erneut: Der frühere
Beatle will als Maler ernst genommen werden und erwartet
gespannt die Reaktionen auf die erstmalige Präsention
seiner Werke.
Der Ex-Beatle, das weiß Suttner nach fünfjähriger
Vorbereitung und vielen intensiven Gesprächen über
dessen Malerei, tritt in Siegen nicht mit dem Anspruch
an, Kunst der internationalen Klasse zu zeigen. Paul
McCartney sagt aber: „Ich traue mich, hier ist ein
interessanter Maler mit interessanten Werken - und ich
freue mich auf das ,Feedback'.“ Dies ist auch der
Titel einer riesigen Videoinstallation, die McCartney
eigens für Siegen entworfen hat und die den Rundgang
durch das Kunstforum Lÿz abschließen wird. Zur Zeit
wird das Gebäude, das neben einem Medienzentrum auch
mehrere Kleinkunstbühnen beherbergt, zu einer rund 900
Quadratmeter großen Galerie umgebaut.
Die Queen nach ihrer ersten Zigarette
Zu sehen sind ab 1. Mai die 70 besten von mittlerweile
fast 600 Öl- und Acrylbildern, die McCartney in den
letzten 16 Jahren gemalt hat.
Suttner ist sicher: „Einige dieser Bilder können zu
Ikonen werden.“ Dazu zählt sicherlich „Big
mountain face“, das an die Felsskulpturen am
amerikanischen Mount Rushmore erinnert und das zentrale
Motiv der weltweiten Werbung für die Siegener
Ausstellung hergab. Suttner: „Impulsiv und
imaginativ zugleich, ist das Bild eine typische
McCartney-Arbeit, der die Balance zwischen dynamischer
malerischer Geste und inhaltlicher Vielschichtigkeit
gelingt.“
Ein Teil der Gemälde sind Porträts mit manchmal
karikaturhaftem Charakter - „David Bowie beim Kotzen“
hat McCartney eine kleine blautonige Arbeit genannt,
„es könnte aber auch mein Cousin beim Verspeisen
einer Schokoladentorte sein“.
Natürlich darf bei einem mittlerweile geadelten
Künstler die Königin nicht fehlen - Sir Paul hat sie
gleich in einer Trilogie verewigt: „Die Queen nach
ihrer ersten Zigarette“, „Die Queen, nachdem
sie einen Witz gehört hat“ und eine „Grünere
Queen“ beweisen McCartneys Sinn für Ironie, die
Experten sonst eher bei seinem Partner John Lennon
vermuteten.
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