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Siegener
Zeitung, Kultur
vom 23.1.1999, Seite 9
Die
Welt blickt auf das Kunstforum Lÿz
Countdown für McCartney-Ausstellung läuft
-Sechs Mitarbeiter arbeiten an Projekt
sz Siegen.
Kreatives Chaos im Kultur!Büro. Fotos, Plakate, Texte,
Kaffee und Tomatensaft. Das gibt Power für den Endspurt.
Der Countdown läuft. Die Kalenderblätter fallen wie die
Kollegen in der Natur im Herbst. Keine Zeit mehr für
ob-la-di-ob-la-da. Stichtag ist der 30. April. Nicht Herr
Kaiser kommt, sondern Mr. Paul McCartney. Und das zu
einer Weltpremiere. Das Kunstforum Lÿz öffnet - wie die
Siegener Zeitung bereits mehrfach berichtet hat - seine
Tore zur ersten Ausstellung des Malers McCartney. Die
Welt - und das ist keine journalistische Übertreibung -
blickt auf die Krönchenstadt. Der Ex- Beatle, das hat
jüngst erst wieder eine Umfrage ergeben, zählt rund um
den Globus zu den bekanntesten Persönlichkeiten. Nur all
zu verständlich, daß es bei Kreiskulturreferent
Wolfgang Suttner, der den “Standing Stone” ins
Rollen brachte, und seinen unermüdlichen Kollegen
kribbelt.
Sechs Leute arbeiten an dem Projekt. Daneben laufen der
ganz normale Alltag (Veranstaltungen, Kartenvorverkauf
usw.) und die Vorbereitungen für KulturPur.
Zumal jede McCartney-Geschichte - und eine Weltpremiere
natürlich besonders- eine fast unheimliche Eigendynamik
entwickelt. Man darf nicht vergessen, daß außer einem
kleinen Kreis intimer Freunde noch nie jemand einen Blick
auf die Öl- und Acrylmalerei des EX-Beatles werfen
konnte. Täglich landen Briefe, Faxe und E-Mails aus den
USA, Frankreich, England, Holland, Belgien, Polen, Japan
und Deutschland mit Anfragen zur Ausstellung auf den
Schreibtischen des Kultur!Büros. Dazu kommen die
weltweiten Verästelungen der zahllosen
McCartney-Fan-Clubs. Auch wenn Wolfgang Suttner immer
wieder die Kunst in den Vordergrund rückt, der
Imagegewinn für den Kreis Siegen-Wittgenstein ist mehr
als nur ein angenehmes Nebenprodukt.
Schließlich ist das Kultur!Büro einst ins Rennen
geschickt worden, um Highlights - sprich Glanzlichter -
zu entwickeln, Gebietsmarketing zu betreiben, Gäste in
die Region zu locken und das Wir-Gefühl der hier
lebenden Menschen zu stärken. Die McCartney-Ausstellung
ist ein Highlight, das Metropolen auf allen Erdteilen
neiderfüllt nach Südwestfalen blicken läßt. Aber der
Rest der Welt kommt später dran. Die Ausstellung soll
noch nach Asien und Amerika gehen. Nachdem sie in Siegen
gelaufen ist...
Warum McCartney sein malerisches Oeuvre gerade an der
Sieg und nicht z.B. am Ufer des Liverpooler Mersey-Rivers
der Öffentlichkeit präsentiert, erklärt
“Macca” im Nachwort seiner vergangenes Jahr
erschienen Biographie. Um nicht mit irgendwelchen
Promi-Pinselquälern in einen Farbtopf geworfen zu
werden, suchte er einen eher ruhigen Platz, um seine
Kunst angemessen zu präsentieren. Mit der Ruhe, das war
ein frommer Wunsch, denn seine Prominenz holt den
Weltstar immer und überall ein. Wenn Paul McCartney zur
Eröffnung der Ausstellung “Paul McCartney
paintings” am 30. April nach Siegen kommt, dürfte
kaum ein Dilldappe noch entspannt im Hauberg sitzen
bleiben.
Strikt trennt der Pop-Superstar allerdings Musik und
Malerei. Verstecken muß er sich, so die Meinung von
Experten, auch als bildender Künstler nicht. Der
langjährige Sammler Paul McCartney (Magritte bis
Matisse) ist vor allem durch den abstrakten
amerikanischen Expressionismus und seinen Freund Willem
de Kooning, den er durch die Familie seiner Frau
kennenlernte, beeinflußt worden. Im Zentrum von Pauls
Malerei steht immer die Farbe, die er als gleichwertigen
Partner in einem kreativen Dialog sieht. Er läßt sie
oft ihren eigenen Weg finden, kratzt dann wiederum
Schichten ab oder trägt besonders dick auf. Von
Emotionen geleitet, fließt hier und da autobiografisches
(Stadtplan von Liverpool) in die Bilder ein, zeigen
abstrakte Landschaften, innere Gesichter und
Seelenzustände. McCartney sucht mit dem Pinsel in der
Hand die Spuren seiner keltischen Vorfahren, wagt sich
satirisch an die Queen heran und zeigt David Bowie in
einer alles andere als für das Rock-Chamälion
vorteilhaften Pose.
Im dann zum modernen Ausstellungsforum umgestalteten Lÿz
werden auf rund 900 Quadratmetern und zwei Etagen bis zum
25. Juli die besten 70 Bilder McCartneys zu sehen sein. Dazu
kommt eine Videoinstallation mit sechs Stahlmonitoren, die
den Gitarristen McCartney, der seinem Instrument
sphärische Klänge entlockt, zeigt. Einblick in das
Schaffen des Malers geben die Fotos von seiner 1998
verstorbenen Frau Linda, die sich als Fotografin einen
Namen gemacht hatte. bö (Peter Böcking)
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