Süddeutsche Zeitung
Magazin No.21, 28.5.99

hobby

Interview: Bernd Zimmer

„Ich kippe einfach Farbe drüber“
Als Beatle hat man heutzutage
viel freie Zeit. Was tun? Paul McCartney zum Beispiel malt.
Ein Werkstattgespräch.


SZMagazin: Was kostet ein echter McCartney?
Paul McCartney:
Er ist unbezahlbar, weil ich nichts verkaufe. Die meisten Maler sagen: Was? Du verkaufst deine Bilder nicht? Ja, mein Gott, sie können es eben nicht verstehen, daß ich einfach nur zum Spaß male.
Ihre Bilder strahlen etwas sehr Physisches aus. Sie scheinen kaum kopfbestimmt zu sein.
Ich kippe einfach Farbe drüber und klatsche sie auf die Leinwand. Das gefällt mir. Meine ersten Bilder waren Gesichter. Mit der Zeit bin ich davon abgekommen und habe mir den Spaß erlaubt abzuwarten, was passiert, was die Farben anstellen. Die Farben haben mir gesagt, was ich malen soll.
Klingt nach Schicksalsergebenheit.
Irgendwie ist das okay, denn was immer am Ende dabei rauskommt, ich bin es selbst. Bewußt oder unbewußt. Das ist wie die eigene Handschrift. Auch die verrät etwas über die Person. Ich verrate mich mit allem, was ich tue, darum gefällt mir das Ergebnis. Wußten Sie übrigens, daß ich sehr gut mit Willem de Kooning befreundet war?
Nein, aber überraschend ist das nicht. Ihre Bilder sind ja auch sehr expressiv.
Ja, ich komme dem nahe. De Kooning hat einmal einen tollen Satz gesagt, als wir gemeinsam ein Bild betrachteten und ich ihn fragte, was es darstellen sollte. Ich weiß nicht, sagte er, sieht aus wie eine Couch. Dieser Satz war für mich total befreiend. Eine Offenbarung! Daraufhin ging ich los, kaufte jede Menge Leinwand und literweise Farbe.
So wird also ein Popstar zum Maler?
In meinem Leben gab es immer wieder Dinge, von denen ich dachte: Das machen nur andere Leute, aber das ist nichts für mich. Als ich jung war, gingen andere zum Reiten. Wir nicht. Andere segelten, wir nicht. Wenn wir ein Ruderboot besaßen, hatten die anderen ein Segelboot. Da war immer ein Unterschied. Ich habe früher gern gezeichnet, Menschen, Karikaturen. Aber eine Leinwand zu kaufen kam mir nicht in den Sinn. Der Mensch, der da in den Laden gegangen wäre, das wäre nicht ich gewesen. Ich hatte meinen Zeichenblock, der reichte mir.
Fürs erste.
Mit vierzig Jahren habe ich ihn weggeschmissen, das ist jetzt 16 Jahre her. Und von da an hatte ich das Gefühl: Es ist völlig in Ordnung, wenn du losgehst und Farben und eine Leinwand kaufst. So fing ich an.
Anfänger haben meistens Vorbilder. Wie war das bei Ihnen?
Es gibt so viele Künstler, die ich mag, deren Entwicklung ich verfolgt und deren Arbeiten ich gekauft habe. Ganz besonders interessiert mich die Moderne. Ich dachte mir damals: Okay, ich will nicht malen wie Magritte. So malen kann nur einer. Ich will überhaupt nicht malen wie dieser oder jener, Aber wie und was sollte ich malen? Am besten fand ich, einfach loszulegen und abzuwarten, was passiert. Vielleicht sind die ersten Bilder auch gar nicht so besonders geworden. Aber irgendwann werde ich sicher verstehen, was ich eigentlich will, irgendein Stil wird dabei schon herauskommen. Keine Ahnung, wie mein Stil sein wird, ich habe keinen bestimmten, jeder Stil gehört mir. Ich habe mit Gesichtern angefangen, wie ich sie schon als Kind gezeichnet habe. Einfache Kreise, dann zwei Augen rein. Kleine Karikaturen halt. Vielleicht signierte ich sie noch. Das ging mir leicht von der Hand, das war mir vertraut. Sobald mir jemand ein Blatt Papier in die Hand drückte, fing ich an, irgend etwas darauf herumzukritzeln.
Sie malen viel in Arizona, wird behauptet.
Das stimmt. Arizona hat etwas, das mich inspiriert. Genau wie Long Island. Es ist das Licht, der Sand. Der schimmert irgendwie rosagelb. Das Bild Black Scratch II zum Beispiel habe ich in Arizona gemalt.
Seltsam, daß Sie dann gerade in Arizona so ein dunkles Bild malen.
Stimmt eigentlich. Vielleicht war es Nacht. Ich arbeite manchmal nachts, bei elektrischer Beleuchtung. Das ist ein großes Experiment. Ich möchte einfach sehen, wo es mich hinführt. Mit den Gesichtern fing es an, jetzt wird es abstrakter. As ich das erste Mal nicht gegenständlich rnalen wollte, wurde mir klar, wie schwer das ist. Die Leute meinen immer, Schimpansen können das auch. Aber das stimmt nicht. In Wahrheit ist es sehr schwierig. Ich bin Stück für Stück über den Realismus zum Abstrakten gelangt. Aber einige meiner Bilder sind sehr realistisch. Zum Beispiel: Shark on Georgica.
Ja, hier erkennt man die Haiflosse.
Das hat sich einfach so ergeben. Ich gebe meinen Bildern nur deshalb Namen, damit ich sie besser unterscheiden kann.
Beginnen Sie gleich mit Farbe, oder zeichnen Sie auf der Leinwand etwas vor?
Je nachdem. Sie wissen ja, wenn ein Schriftsteller ein weißes Blatt Papier vor sich hat, wird er verrückt. Ich habe mich erkundigt, ob der Anfang für manche Leute ein Problem ist. De Kooning zum Beispiel soll einfach den Namen seines Freundes Phil, Philip Guston, auf die Leinwand geschrieben und damit seine Bilder angefangen haben. Ähnliche Tricks verwende ich auch.
Zum Beispiel?
Nun, einen Namen hinschreiben oder irgendwas, nur damit ein Anfang gemacht ist, ein Einstieg ins Bild. Wenn der Horror vor der weißen Leinwand überwunden ist, geht es wie von seibst.
Was machen Sie mit Bildem, die lhnen nicht gefallen? Werfen Sie die weg?
Nie. Ich male etwas drüber,
Sie malen an einem Tag ein Bild, und am nächsten malen Sie es neu, weil Sie eine andere Lösung gefunden haben?
Nein. Ein Freund von mir nannte meine Malmethode alla prima.
Das heißt also, der erste Entwurf paßt lhnen meistens. Ändern Sie trotzdem manchmal die Idee eines Bildes, während Sie malen?
Ganz klar: ja. Man beginnt mit einern Gesicht, dann wird etwas vollig anderes draus.
Womit malen Sie?
Meist in Öl. Oft mit Acrylfarben. Ich war mal im Urlaub und habe ein kleines Bild in Öl gemalt, als ich noch von nichts eine Ahnung hatte. Natürlich wurde das Bild nicht trocken, und ich mußte eine Box mit einern Strick anfertigen, um das Bild transportieren zu können. Da dachte ich: Versuch's mal mit Acryl, das trocknet schneller.
Und hält auch länger.
Trotzdem mag ich den Geruch von Ölfarben, von Leinl und Terpentin, Aber das ist natürlich nicht ausschlaggebend.
Haben Sie bei dem Bild Shark on Georgica eigentlich Ölfarbe benutzt?
Nein, Acryl. Auf dem kleinen See Georgica, der an der Küste von Long Island liegt, bin ich morgens oft gesegelt. Hinter dem See beginnt das offene Meer. An einer bestimmten Stelle kann man ankern und schwimmen. So habe ich meine Zeit verbracht. As mir ein Bild, eine Erinnerung davon in den Kopf kam, dachte ich mir: Versuch einfach mal, Georgica zu malen.
Mischen Sie die Farben direkt auf der Leinwand? So soll man es, glaube ich, machen.
Ja. Blau und Weiß fur die Blautöne; Sienarot und Gelb und Weiß für den Sand, Ich versuche, die schmutzige Tönung hinzukriegen, die der Sand nun mal hat. Das ist fast schon realistisch. Dann kratze ich vielleicht noch etwas über den Horizont, um ein bischen Bewegung in die Sache zu bringen. Danach die Signatur, fertig. Das ist eigentlich alles. Ich lasse es so und fange ein neues Bild an.
Klingt simpel.
Alles ist simpel. Meine Frau hat mir mal ein Lineal aus dem Studio von Magritte geschenkt. Sein Holzlineal. Ich habe es einfach benutzt, weil ich mich so darüber gefreut habe. Deshalb heißt das Bild Mr. Magritte's ruler.
Irre Ide, das Werkzeug eines berühmten toten Malers zu benutzen.
Anfangs war ich etwas befangen und meinte, ich müsse jetzt auch BowlerHüte damit zeichnen. Oder Äpfel. Aber dann dachte ich mir: Nö! Und machte mir erst mal einen Drink. Nein, nein, nein, habe ich mir immer wieder gesagt. Irgendwann hatte ich die Blockade überwunden und so gemalt, wie es mir paßt.
Das Bild wirkt sehr abstrakt. Das Gelb soll wohl das Licht wiedergeben?
Es ist einfach nur Farbe. Ich habe einen Freund, der ist Maler, hier am Ort. Er hat sich einige meiner Bilder im Hinterzimmer angesehen. Ich hatte mal so eine Phase, da habe ich sehr viel Rot verwendet. Er meinte, das seien sehr warme Bilder. Das fand ich toll und dachte: Ja, er hat recht. Das Rot macht die Bilder sehr warm. Man spürt die Hitze förmlich, die von ihnen ausgeht. Darauf fing ich mit Gelb an. Das Gelb macht es fröhlicher. Blau ist ein bißchen geheimnisvoll. Ich spiele oft nur mit den Farben herum. Ich verfolge keine großen Strategien damit. Aber vielleicht habe ich so etwas wie ein natürliches Gespür für Farben oder einen Sinn für Komposition. Studiert habe ich das ja nie.
Sind Ihnen intensive Farben wichtig für den Ausdruck, oder wollen Sie so etwas Gegenständliches beschreiben?
Es geht mir um den Ausdruck. Manchmal sind es aber auch die realen Farben. Wie in den Strandbildem, ich habe sie draußen gemalt, auf Long Island, nicht weit davon, wo de Kooning lebte. Und das Bild Shark on Gorgica wollte ich einfach malen, um meine Freude festzuhalten.

Die Leute meinen immer, Schimpansen können das auch.
Aber das stimmt nicht.

Sie sagen, lhre Bilder entstehen im Kopf, entspringen manchmal plötzlichen Phantasien.
Ja, manchmal, wie etwa das Bild Black Scratch l. Ich wachte eines Morgens auf und dachte an Kratzspuren, Kratzer von drei Fingern, Daraus wurde dann eine Serie.
Sieht aus wie ein Mann von hinten oder wie jemand, der einem den Hintern entgegenstreckt.
Ja, finde ich auch. Es könnte aber auch ein Phallussymbol sein. Eigentlich weiß ich gar nicht, was diese Form darstellen soll. Das ist der Phantasie des Betrachters überlassen. Entweder habe ich überhaupt keine Idee und trage einfach nur Farbe auf. Oder ich lasse einfach meine Phantasie spielen. Was sehen wir hier? Ein Gefängnis oder so was. Oder irgendeiner fährt einfach mit seinen Nägeln drüber. Das gefällt mir. Ich wollte schlicht etwas malen und später mit den Fingern drübergehen. So ist diese Bilderserie entstanden. Und dann das Bild Black Scratch II, sehen Sie die Plastikfolie? In ihr war die Leinwand verpackt. Die Folie blieb aber irgendwie an der Farbe kleben, und am Ende habe ich es einfach so gelassen.
Gefällt es lhnen wegen der Struktur, oderfinden Sie, es sieht einfach nur gut aus?
Wie gesagt, es entstand rein zufällig. Es sieht einfach gut aus, betrachten Sie es mal aus der Nähe: Das Rot bekommt einen schimmernden Glanz. Ein Hochglanzrot. Oder sehen Sie sich Housepaint Clown an. Das ist Fassadenfarbe. Ich habe mal gesehen, wie ein Freund die benutzt hat. Ich mag diese Farbe, ihren glänzenden Schimmer.
Woher stammen lhre Themen?
Das Bild Celtic Eloquence zum Beispiel entstand in Anlehnung an eine Legende. Ich habe viel über die Geschichte der Kelten gelesen. Afrikaner interessieren sich ja auch für die Geschichte ihres Landes. Fur mich ist es eben das keltische Irland. Da gab es eine tolle Geschichte, in der Ovid die Wortgewandtheit eines Mannes pries. Der konnte so gut reden, daß seine Zuhörer den kleinen goldenen Ring, den er in seiner Zunge trug, über eine Kette mit ihren Ohrringen verbanden. Für mich war das die modernste Metapher, die ich je gehört hatte. Wie PunkRock. Diese Leute sind diesern Mann den ganzen Tag gefolgt, wohin er auch ging. Und nur, weil er so gut geredet hat. Fur mich ist das ein grandioses Symbol fur die Redekunst. In das Bild habe ich meinen Namen in Keilschrift geschrieben! Sehen Sie hier: p-a-u-l.
Haben Sie dieses Bild zur gleichen Zeit gemalt wie die abstrakten, oder stammt es aus einer anderen Serie?
Diese Serie habe ich gemalt, als ich wußte, daß ich die Ausstellung machen werde. Da fielen mir die Kelten ein.
Lassen Sie uns mal grundsätzlich werden: Inspiriert Sie die Natur?
Na klar, ich bin ein sehr naturverbundener Mensch.
Leben Sie auch auf dem Land?
Ja, ja, aber jetzt schauen Sie mal hier das sind also die Kelten.
Seltsames Bild.
Ja, sieht aus wie eine Toilettenwand, eine getünchte Toilettenwand. Als sei ein Graffitimaler am Werk gewesen. Manchmal geht die Phantasie schon mit mir durch. Ich habe mir vorzustellen versucht, wie es wohl ausgesehen hätte, wenn die Kelten ein Logo gehabt hätten. Das wollte ich dann darstellen.
Darunter war vorher ein anderes Bild?
Ja, aber es hat mir nicht gefallen. Deshalb habe ich es weiß übertüncht. Der Effekt gefiel mir als würde man ein Haus neu streichen. Dann malte ich die Buchstahen: CELTS.
Das Bild Celts sieht eher wie eine farbige Zeichnung aus.
Da habe ich mal wieder herumexperimentiert. Manchmal benutze ich Kohle, Bleistifte oder alle möglichen anderen Materialien. Während ich die Figur zeichnete, fiel mir plötzlich auf: Ups! Der hat ja eine Erektion. Das fand ich gut, weil es ausdrückt, daß diese Leute keine Scham kannten. Sie schämten sich einfach nicht, diese Kelten. Fruchtbarkeit alles locker, auch die ewigen Werte. Das gefällt mir. Ich glaube, wir sind in unserer Entwicklung so weit fortgeschritten, daß wir uns wieder rückwärts bewegen. Darum gefällt mir das, es steckt soviel Weisheit drin.
Ist das Bild Egypt Station in einer früheren Phase entstanden?
Nö, das war so dazwischen. Die Szene spielt übrigens in Arizona.
Sie legen sich wirklich überhaupt nicht fest. Sie machen einmal dies, dann wieder das!
Das ist es ja, was ich lhnen vorhin schon erklären wolite. Ich habe keinen bestimmten Stil, ich lasse gewisse Einflüsse auf mich wirken. Auch dieses Bild habe ich einfach nur gemalt. Die Blumen und der Bach sind ägyptisch. Aus einern alten Buch. Hier haben wir echte Wolken. Die da sind metaphorisch. Und hier ist eine echte Bergkette, da habe ich mal wieder mit der Farbe des Sandes herumgespielt.
Verstehe. Und woher kommt die Figur?
Von meinern Sohn James, als er noch klein war. Die Leinwand lag herum, und er hat einfach drauflosgezeichnet. Er ist sehr frech. Völlig respektlos. Aber das finde ich ganz okay. Mir hat die Figur gefallen, und statt sie auszuradieren, habe ich sie koloriert. Sie ist irgendwie ägyptisch. Den braunen Streifen am unteren Bildrand habe ich abgemalt, das ist eigentlich so eine reliefartige Musterung antiken Töpfergeschirrs. Sieht aber eher aus wie ein Rahnhof, als ob man auf den nächsten Zug wartet. Deshalb habe ich das Bild Egypt Station genannt.
Aha. Bei Bowie Spewing (Bowie kotzt) haben Sie der Figur sogar ihren richtigen Namen gegeben!?
Ja, ich dachte: Der sieht aus wie David Bowie. Außerdem ist Bowie kotzt leichter zu merken als Dieses Bild da mit Rot und Biau, na, du weißt schon!
Ist es der echte Bowie oder einfach nur ein Kopf?
Es ist nur ein Gesicht, ein Vorwand, Farbe auf die Leinwand zu schmieren.
Welche Musik hören Sie, wenn Sie malen?
Überhaupt keine. Normalerweise höre ich keine Musik dabei.
Also bitte, alle Maler haben doch eine Lieblingsmusik, die sie beim Malen hören!?
Ich brauche Stille. Die Musik ist in mir drin. Aber wenn jernand Musik spielt, während ich male, stört mich das nicht. Vielleicht höre ich nebenbei Beethoven oder so was.
Keine Popmusik?
Nein. Ich hatte mal die Idee, daß es witzig wäre, einen Ton zu malen. Ein Ton in Moll klingt immer etwas traurig. Ich habe versucht darzustellen, wie c-Moll aussehen könnte. Hier ist das c, und hier ist ein Gesicht oder etwas Ähnliches, das traurig aussieht.
Aber lhre eigene Lebensgeschichte fließt nicht in die Bilder mit ein?
Nicht, daß ich wüßte.
Aber der Alltag, der KosovoKonflikt etwa?
Kaum. Vielleicht unbewußt, von innen her. Es liegt immer daran, in welcher Stimmung ich bin und worauf ich gerade Lust habe. Soll ich vielleicht ein bißchen ausreiten? Dann gehe ich reiten. Oder ich bin im Studio und denke: Hey, mal doch mal wieder Musik! Ich mache das nicht jeden Tag wie ein Sklave, ich male nur, wenn ich in der Stimmung dazu bin. Manchmal, wenn wir unterwegs auf Tournee sind und einen freien Tag haben, nutze ich die Zeit zum Malen. Oder in den Ferien zu Hause.
Oder in New York.
Wenn ich auf Long Island bin, male ich draußen, auf dem Balkon. Das war schließlich auch die Heimat von de Kooning. Deshalb fühle ich mich dort so wohl. Ich kenne das Geschäft, wo er immer seine Malutensilien gekauft hat. Ein tolles Gefühl. Als er noch lebte, war das so: War Mr. de Kooning schon da? Ja, Mr. de Kooning hat diese Farben hier gekauft. Aha, dann nehme ich die auch, Sehr aufregend.
Litt de Kooning nicht an Parkinson oder Alzheimer?
Ja, Alzheimer. Schlimm war es, als er sehr alt war. Wenn er an einern Bild vorbeikarn, fragte er seine Krankenschwester: Wer hat das gemalt? Er konnte sich nicht mehr dran erinnern, daß er es selbst gewesen war. Ich weiß noch, wie er seine letzten Bilder die weißen gemalt hat. Das war, bevor er krank wurde.
Die mit den roten und blauen Linien?
Ja, vor allem aber mit sehr viel Weiß. Ich weißi noch, bei ihrn ging es immer nur um Farben, Farben, Farben. Dann fing er plötzlich mit Weiß an. Ich fand das sehr mutig, wo er doch fur seine prächtigen Farben berühmt war. Plötzlich ersetzt er sie einfach durch weiße Flächen. Ein toller Mann.
Die Hauptfrage, die sich jeder Maler stellt, ist doch: Was soll ich malen? Bei de Kooning war das auch so. Und bei lhnen?
Na ja, ich male ja nicht, um meinen Lehensunterhalt zu verdienen. Das macht das Ganze etwas leichter!


Künstler unter sich: Paul McCartney und Bemd Zimmer, im Hintergrund Black Scratch l. 1994. Foto: Albrecht Fuchs
Manchmal bin ich im Studio und denke: Hey, mal doch mal wieder Musik!


Bernd Zimmer, 50, gehörte Ende der siebzigerJahre zu den Jungen Wilden, die mit ihren avantgardistischen Gemälden die Berliner Kunstszene durcheinanderwirbelten. Heute lebt er in Polling, Oberbayern, und gilt als einer der bedeutenden zeitgenössischen Maler.
Paul McCartneys Bilder sind bis zum 25. Juli im Kunstforum Lÿz in Siegen zu sehen.



 

PAUL McCARTNEY paintings , Kunstforum Lÿz, Siegen, 1. Mai bis 25. Juli 1999
Konzeption & Organisation der Ausstellung: Kultur!Büro. Kreis Siegen-Wittgenstein
Paintings © Paul McCartney. Photographs of the artist © Estate of Linda McCartney

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