Siegener Zeitung
vom 2.5.1999

Very happy! Siegen, Wulfgäng und McCartney
Pressekonferenz zur Ausstellungseröffnung im Kunstforum Lÿz – Rund 250 Medien-Menschen dabei

Siegen. Die Frage muß kommen und sie kommt ganz schnell. Warum hat Paul McCartney Siegen als Bühne für seine Weltpremiere als Maler gewählt? Die Antwort kommt genauso schnell, vermutlich weil der britische Superstar sie schon zigmal gegeben hat: „Wegen Wulfgäng, der war der erste, der sich mir als Maler seriös genähert hat.” Wulfgäng, das wissen die Leser der SZ-Kulturseite natürlich längst, ist Kreiskulturreferent Wolfgang Suttner. Wieso Siegen und nicht irgendeine (andere) Metropole den Zuschlag für das schlagzeilenträchtige Ereignis bekommen hat, beantwortet der bisher „nur” als Popmusiker globusweit bekannte Ex-Beatle bei der Antwort an einen italienischen Journalisten gleich mit. Der überbringt nämlich die Botschaft, daß einige italienische Bürgermeister die Ausstellung gerne in ihren Städten sehen würden. McCartneys kurze Antwort: „Warum? Sie kennen die Bilder doch gar nicht!”

Das Medienaufgebot zur Pressekonferenz am Freitag im Kunstforum Lÿz ist schon beeindruckend. Gut 150 Journalisten aus aller Herren und Damen Länder steht Paul McCartney 30 Minuten lang Rede und Antwort. Allein acht Fernsehteams haben ihr Equipment aufgebaut. Die zahlreichen Fotografen bekommen „ihr” Bild – der Maler vor seinen Arbeiten – bereits vorher. Wie auch zahlreiche Fans, die von den frühen Morgenstunden bis fast gegen Mittag auf ihr Idol warten. Ein Pärchen aus Nürnberg ist bereits kurz nach sechs im Frankenland gen Siegen gestartet.

Sogar Amerikaner, Japaner und Skandinavier harren geduldig auf Sir Paul. Als der kommt, geht alles blitzschnell. Ein Sportwagen und eine silbergraue Limousine halten vor dem Lÿz-Portal. Der 56jährige McCartney stemmt sich flott vom Fahrersitz des blauen Flitzers ins Freie, stürmt die Treppe hoch, winkt freundlich und ist verschwunden. In der Pressekonferenz, von seinem „Spokesman” Geoff Baker professionell vorbereitet („Bitte keine Fragen zur Musik, es geht um Malerei”) und durchgezogen, gibt sich der Künstler souverän und locker. Mit einem freundlichen „Guten Tag” nimmt er Platz. Natürlich, räumt er auf eine Frage ein, sei es immer ein Risiko, etwas außerhalb der gewohnten Profession zu machen. Aber er habe das Risiko nie gescheut, auch mit den Beatles nicht.

Außerdem sorge er sich nicht um Kritik, die sei für ihn nicht wichtig. Er male eigentlich nur für sich selbst, wolle auch nichts verkaufen. Wenn er in Stimmung sei und Zeit habe, erklärt Paul McCartney, male er. Mal täglich, mal mit Pausen. Nun habe er gedacht, es sei an der Zeit, die Bilder zu zeigen, um zu sehen, wie andere Menschen darauf reagieren. Eine Pressekonferenz mit einem Ex-Beatle, zumal wenn er McCartney heißt, ohne daß der Name John Lennon fällt? Gibt es nirgendwo und auch in Siegen nicht. Als jemand wissen will, ob ihn die ebenfalls künstlerisch aktiven John Lennon (Zeichnungen) und Stu Sutcliff (1960 Gitarrist der Silver Beatles und Kunststudent) beeinflußt hätten, antwortet Sir Paul: „Only in their spirit of freedom.” Ansonsten erinnert er als Einfluß (die SZ berichtete) an Paul Willem de Kooning, den er durch die Familie seiner Frau Linda kennengelernt hatte. Durchaus selbstbewußt äußerte sich Paul McCartney in einem Interview zu seinen Arbeiten: „Ich behaupte nicht, der größte Maler der Welt zu sein, aber ich glaube, ich bin nicht schlecht.” Erklärungen zu seinen gegenständlichen und abstrakten Arbeiten hat er nicht parat. Kann er auch nicht, denn McCartneys Bilder leben vom Malprozeß und seiner Spontaneität.

Begrüßt hatte die Teilnehmer der Pressekonferenz Kreisdirektor Winfried Schwarz, der natürlich „very happy” darüber ist, daß die Region so wie niemals zuvor weltweit ins Rampenlicht gerückt ist. Wolfgang Suttner erinnerte an die fünfjährige Vorbereitungszeit und das heiß diskutierte Auswählen der jetzt zu sehenden 70 Bilder. Der Kreis-Kulturreferent dankte den Sponsoren Deutsche Sparkassen und Deutsche Städtereklame, den englischen Partnern und vor allem dem Team des Kultur!Büros. für die geleistete Arbeit.

Das Ergebnis des großen Engagements kann sich wirklich sehen lassen. Von den tollen, gut ausgeleuchteten Räumen des Ausstellungsforums Lÿz bis zum gelungenen Katalog stimmt der Rahmen für die Siegener Weltpremiere Paul McCartney paintings. Texte: bö/ciu

Congratulations Paul Glückwunsch Siegen
Siegen. Es hatte schon einen Hauch von Hollywood Boulevard, den Paul McCartneys Songwriterkollege Ray Davies von den Kinks einst besungen hat: Everybody’s in showbiz and everyboy’s a star! Die 300 zur Vernissage von Paul McCartney paintings geladenen Gäste (schließlich, so das Kultur!Büro., waren es doch wohl eher 600) paradierten auf dem Weg zum Kunstforum Lÿz an etwa 1500 Fans vorbei. Die warteten zwar nicht auf die heimischen Kommunalpolitiker und Repräsentanten/innen der Siegerländer Kunstszene, aber ein wenig vom Glanz Sir Pauls fiel auf alle ab. Apropos Promis, die kamen dann doch nicht in hellen Scharen. Neben McCartneys Kindern, u.a. Tochter Stella, die als Modedesignerin von sich reden macht, flogen Pauls Bruder Mike und Produzenten-Legende George Martin aus London ein. Der vor allem von den Fans sehnsüchtig erwartete George Harrison wurde nicht gesichtet.

Landrat Walter Nienhagen sprach auf Englisch passende und nette Begrüßungsworte. McCartneys Freund, der britische Künstler Brian Clarke, dankte auf Deutsch den Menschen in Siegen für diese einzigartige Ausstellung: „Congratulations Paul, herzlichen Glückwunsch Siegen!” Ähnlich wie in der Pressekonferenz am späten Vormittag äußerten sich Wolfgang Suttner und Paul McCartney, die für das Zustandekommen der für die Region einmaligen Aktion die entscheidenden Faktoren waren. Beim anschließenden Rundgang erlebten die Besucher neben den Bildern erstmals auch die Videoinstallation mit dem gitarrespielenden Ex-Beatle.

 

PAUL McCARTNEY paintings , Kunstforum Lÿz, Siegen, 1. Mai bis 25. Juli 1999
Konzeption & Organisation der Ausstellung: Kultur!Büro. Kreis Siegen-Wittgenstein
Paintings © Paul McCartney. Photographs of the artist © Estate of Linda McCartney

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