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vom 2.5.1999
Eine
Poplegende trägt gern dick auf
In Siegen
feiert eine Ausstellung mit Gemälden von Paul McCartney
Weltpremiere
Von
AP-Korrespondentin Elke Heß
Siegen (AP)
Als Geburtsstadt von Peter Paul Rubens hat Siegen einen
ewigen Platz in der Kunstgeschichte. Doch nicht der
legendäre Barockmaler lockte am Freitag Scharen von
Journalisten und Neugierigen in die frühere nassauische
Residenzstadt. Anlaß für den Rummel war die
Weltpremiere einer Ausstellung mit Bildern eines Malers,
den die Öffentlichkeit bislang nur als Popstar kannte:
Paul McCartney. Bis zum 25. Juli zeigt das Siegener
Kunstforum Lyz auf 900 Quadratmetern Fläche 70 Öl- und
Acrylgemälde des Exbeatles, die nach Angaben von
Ausstellungsmacher Wolfgang Suttner vorher nur Freunde
und Bekannte der Poplegende zu Gesicht bekommen hatten.
Daß John Lennon einst die Kunstakademie besuchte und
sich auch nach seiner Beatles-Karriere als bildender
Künstler betätigte, ist kein Geheimnis. Aber Paul
McCartney als Maler? Der 56jährige zweifelte selbst
lange, ob er dafür Talent hat. Mit dem Malen begann er
erst Anfang der 80er. «Bis dahin hatte ich diese große
Blockade in meinem Kopf, daß nur Leute, die die
Kunstschule besucht hatten, malen durften. Aber als ich
40 wurde, kapierte ich, daß diese Blockade verrückt
ist.»
Seitdem entstanden mehr als 500 teils großformatige
Bilder, von denen die besten nun in Siegen zu sehen sind.
Es sind farbenfrohe, teils abstrakte, teils
gegenständliche Gemälde mit dicken Pinselstrichen, die
vom Abstrakten Expressionismus Willem de Koonings
beeinflußt sind, aber auch Bezüge zu Pop-Art und
Surrealismus erkennen lassen. Ins Auge sticht vor allem
der lustvolle Umgang mit Farben. Der Maler Paul McCartney
liebt es, mit dem Material zu spielen, indem er mehrere
Farbschichten übereinander legt und sie teilweise wieder
wegnimmt, hauchdünn lasiert oder direkt aus der Tube
malt. Bei dem Gemälde «Tara's Plastic Skirt»
experimentierte er mit einem Plastiksack als Leinwand.
Der Künstler sieht viele Parallelen zwischen Malerei und
Musik. «Man kann mit beiden Medien alle Gefühle
ausdrücken.» Daß die Malerei ihm irgendwann am
wichtigsten werden könnte, glaubt er aber nicht. «Ich
werde Musik wohl immer am meisten lieben. Aber ich will
nicht nur eine Sache machen», sagte er der
Fernsehnachrichtenagentur APTN. Im Augenblick arbeite er
an einem Chorstück, und er habe einige neue
Rock'n'Roll-Songs geschrieben.
Er behaupte nicht, der größte Maler der Welt zu sein,
sagte McCartney zu APTN. «Aber ich glaube, ich bin nicht
schlecht.» Sorgen darüber, wie die Kritiken zu seiner
ersten Ausstellung ausfallen werden, mache er sich nicht.
«Ich versuche nicht, jedem zu gefallen, vor allem nicht
mit meinen Bildern. ... Ich male eigentlich nur für mich
selbst.» Verkaufen will der Exbeatle seine Gemälde
nicht.
Thematischer Schwerpunkt der Siegener Schau sind
«Landschafts-» und «Gesichtsbilder». Gleich eine
ganze Sequenz beschäftigt sich mit keltischen Motiven.
Viele Werke haben autobiographische Bezüge wie «Home
Territory», das McCartneys Jugend in Liverpool skizziert
- zwischen dem Fluß Mersey, dem Liverpool Institute und
«America» in der Ferne. In den Titeln, die laut
McCartney immer erst zum Schluß entstehen, sind viele
seiner Freunde und Bekannten verewigt, von John Lennon
über Patti Boyd, David Bowie bis Andy Warhol, und nicht
zuletzt seine Frau Linda. Die britische Königin
Elizabeth II. hielt er in einer augenzwinkernden
Porträtserie auf der Leinwand fest.
Hartnäckigkeit des Kulturreferenten hatte Erfolg
Daß McCartneys Bilder in Siegen erstmals der Welt
präsentiert werden anstatt in London oder New York,
liegt vor allem an der Hartnäckigkeit des
Kulturreferenten Suttner, der den Exbeatle nach langen
Gesprächen davon überzeugen konnte, daß ihm einzig und
allein an den Bildern und nicht an der Prominenz des
Künstlers gelegen war. Die Menschen, die sich am Freitag
- einige schon Tage zuvor - vor dem Kunstforum
drängelten, machten allerdings keinen Hehl daraus, daß
sie wegen des Musikers Paul McCartney gekommen waren.
Zur Vernissage am Abend kamen unter anderem der
langjährige Beatles-Produzent George Martin, McCartneys
Kinder und sein Bruder Mike. Der von vielen erwartete
Exbeatle George Harrison war nicht dabei. Am Samstag, dem
ersten offiziellen Ausstellungstag, standen die ersten
Besucher nach Angaben des Kunstforums schon um 08.00 Uhr
vor der Tür. Die Schau, die bis zum 25. Juli dienstags
bis sonntags von 10.00 bis 20.00 Uhr geöffnet ist, wird
mit Fotografien von Linda McCartney und einer
Videoinstallation ergänzt.
Ende##
AP/el/ug/
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