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Saarbrücker Zeitung
vom 1.05.1999
Lust
am Farbenspiel mit bloßen Händen
Im
südwestfälischen Siegen sind erstmals Bilder von Paul
McCartney ausgestellt
Siegen (epd). Noch ein Maler: Der Ex-Beatle Paul
McCartney präsentiert von diesem Samstag an in der
südwestfälischen Stadt Siegen erstmals seine Gemälde.
"Paul McCartney paintings". Ein einfaches
Schild am Rande der Autobahn weist den Weg zum Kunstforum
Lyz. "Natürlich", so der 56jährige McCartney
am Freitag in Siegen über diese Premiere, "ist der
Schritt ein Risiko." Aber das sei er schon immer
eingegangen, auch mit den Beatles. Nach 16 Jahren Malerei
im stillen Kämmerlein ist die Zeit wohl reif dafür.
Malen, richtig malen, wollte der Musiker schon immer.
Gezeichnet hat er bereits ein Leben lang. 73 seiner Öl-
und Acrylarbeiten sind aus den McCartney-Ateliers in
England und den USA eingeflogen worden und geben einen
Überblick über sein mittlerweile 600 Bilder umfassendes
Gesamtwerk.
Vorwiegend großflächige Gemälde voller Humor und
ironischer Distanz sind in Siegen zu sehen, geprägt von
der Lust am Farbenspiel und der spontanen Komposition,
beeinflußt von der Freude am sinnlichen Arbeiten. Der
Maler McCartney trägt die Farben dick auf, wischt sie
wieder ab, greift mit bloßen Händen in den
Entstehungsprozeß ein, kratzt und ritzt letzte Details
ins Bild. Einflüsse des abstrakten Expressionismus der
Pop-Art und des Surrealismus schimmern immer wieder
durch. Für Ausstellungsmacher Wolfgang Suttner, der den
Beatle nach Siegen holte, ist der Musiker als Maler eine
echte Entdeckung. Er habe den Wechsel von der Musik zur
Malerei geschafft. Die Kunstkritiker scheinen ihm recht
zu geben. Zwar habe es bei Vorbesichtigungen Kritik an
einzelnen Bildern gegeben, aber "das ist
normal". Wolfgang Suttner zufolge sind sich alle ihm
bekannten Kunstkenner einig: Es ist das Beste, was bisher
ein malender Musiker auf die Leinwand gebracht hat.
Begleitet wird die Ausstellung von einem riesigen Rummel.
In Siegen grassiert das Paul-McCartney-Fieber. Die Hotels
rund um die Siegerlandmetropole sind ausgebucht,
Restaurants servieren ein 4-Gänge-Beatles-Menü und die
Bäcker haben Pilzköpfe aus Teig in ihre Auslagen
gestellt. Diese Imagewerbung ist unbezahlbar, ist man
sich vom Kreisdirektor bis zum Mann auf der Straße
einig. Warum gerade Siegen? Suttner sei der erste
Ausstellungsmacher gewesen, der sich ernsthaft für seine
Bilder interessiert habe, erinnert sich McCartney. Zwar
seien Angebote aus aller Welt ins Haus geflattert und
Kunsthändler wollten seine Arbeiten zeigen - allerdings
ohne jemals einen Blick auf sie geworfen zu haben. Doch
McCartney sucht die Auseinandersetzung, nicht die Show.
Und mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: "Ich bin
ein Künstler, der früher als Paul McCartney bekannt
war." Nun wird sich zeigen, ob Fans und
Kunstkritiker auch den Maler Paul McCartney akzeptieren.
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